Bewegung

Wir bewegen uns meist zu wenig - wenn man den Gesundheitsexperten folgt. Denn Bewegung gehört zum Leben, zeugt von Agilität, impliziert Gesundheit. Doch sollte sich Dieses nicht nur auf die äußerliche, körperliche Bewegung reduzieren, sondern auch die innerliche Bewegung mit einbeziehen. Also:

 

Was bewegt uns innerlich?

 

Es sind die E-motionen (engl.:„e-motion“=Bewegung). Sie sind es, die uns in Bewegung setzten, die Verhalten initiieren, die die Richtung vorgeben. Das Ziel kann dabei gar nicht bewusst und klar sein – doch da ist etwas, was innerlich antreibt. 

 

Häufig werden daher mit Zielerreichungskriterien und –maßnahmen persönliche, individuelle Ziele festgelegt, für das sich eine Person engagieren soll oder will, die positive Emotionen freisetzen sollen. Gerne auch in Coaching und verschiedenen Beratungssettings.

 

Dann werden Antreiber - Motive - gesucht, gefunden und vereinbart. Diese sollen der Person dabei helfen, ihre Ziele und Bedürfnisse „nicht aus den Augen zu verlieren“, und - im besten Fall situationsangemessen - umzusetzen. Doch es sind gerade die impliziten, weitgehend unbewussten Motive die die eigentlichen „Verursacher“ von Bewegung, von motiviertem Verhalten, sind, die wiederum von Emotionen initiiert werden: Sie geben Energie und Orientierung, mit der es Menschen schaffen, über einen längeren Zeitraum ihren Zielen nachzugehen und diese zu erreichen.

 

Doch manchmal bleibt die Freude über einen erreichtes Ziel aus.

 

Ob es ein persönlich wichtiges Ziel war, dass verfolgt und erreicht wurde oder ob es die (unausgesprochene) Erwartung andere war, deren Zielvorgaben erfüllet werden „mussten“, das zeigt sich nach der Zielerreichung: Freuen Sie sich, oder bleibt ein „Naja-Geschafft-Gefühl“, das sich jenseits einer der Zielerreichung angemessenen Euphorie breit macht? In diesem Fall können Sie sicher sein, dass die vermeintlich intrinsische Motivation doch nicht so ganz die eigene war. Es bleibt das Gefühl, was erreicht zu haben, doch ist es nicht ganz das Richtige? Ihr Selbst hat sich nicht Selbst-Verwirklicht, sondern Fremd-Verwirklicht: Verfremdet.

 

Zielorientiert fremdgesteuert.

 

Das ist das Dilemma: wenn nach einer ggf. mühevollen Zielerreichung man sich ein Stück von sich selbst entfernt hat; ist Zielen nachgegangen, die für die Eltern wichtig waren, für die Oma, den Opa, die Lieblingstante – stellvertretend vielleicht für den Berater. Und die eigene Zufriedenheit bleibt dann nur oberflächlich: Zwar hat man sich die – ggf. posthume – Anerkennung wichtiger Menschen eingeholt, doch die Selbstanerkennung, die Selbst-Wertschätzung ist unter dem Berg unerfüllter Bedürfnisse vergraben.

 

Wie kann man nun den eigenen Motiven auf die Spur kommen? Wie kann das eigene Wichtige vom fremden Wichtigen unterschieden werden? Wie kann die eigene innere Strömung gehört und verstanden werden, um der eigenen Bewegungsrichtung gerecht zu werden?

 

Die humanistische Psychologie spricht dem Menschen hier eine hohe Kompetenz zu, dies zu können: Die Fähigkeit der Selbstreflexion. Sich selbst zuhören zu können, ist das Potential, das Menschen dazu befähigt zu sich selbst zu kommen und die inneren Bewegungen verstehen zu können. Es ist ein Anhalten aus der Bewegung des Alltags und ein Ankommen in der Beobachterperspektive der eigenen Person: zu beobachten, was im Jetzt ist, damit daraus eine Selbst-Verständlichere Zukunft entstehen kann.

 

Carl Rogers, der Begründer der Gesprächspsychotherapie, beschrieb  dazu die "Aktualisierungstendenz“, als „Motiv das der Erhaltung und Förderung des Organismus dient“: ein übergeordnetes Sinn- und Entwicklungsprinzip menschlichen Verhaltens, das das Streben nach Entfaltung der eigenen Ressourcen zum Ziel hat. Die „Aktualisierungstendenz“ als angeborene Disposition, die als „Zustandssteuerung“ den Prozess der intrinsischen Motivation in Gang setzt und die jedem Menschen eigen ist.

 

Und daher ist es nur eine Möglichkeit zu fragen: Was treibt mich an?

 

Eine andere Frage, die davor schützen kann fremde Ziele zu erfüllen, kann vielmehr sein: Wer treibt mich gerade an? Und damit zu überprüfen, was das Eigene und was das Fremde ist, das uns in Bewegung versetzt und eine Richtung vorgibt.

 

In diesem Fall sind die Richtung und das Ziel auf jeden Fall Eigenes: Es ist ein Weg zu vermehrter Kongruenz – und das ist ein Lebensweg, auf dem sich viele eigene Ziele aufschließen können.