In welcher Zeit leben Sie?

"In welcher Zeit leben Sie?" - diese Frage bezieht sich nicht darauf, wie „up to date“ Sie sind: ob Sie sich z.B. modisch zeitgemäß kleiden oder sich gesellschaftlich modern verhalten.

Nein - im Gegenteil.

 

Die Frage bezieht sich auf die Würdigung der inneren Aktualität; der Tatsache, dass jedes Ereignis in der Gegenwart stattfindet und etwas in diesem Moment in Ihnen bewirkt. 

 

Es ist ein Appell zur Konzentration auf das was da ist.  

 

Doch häufig passiert in Gesprächen eher Vergangenheit und Zukunft: „Ich hätte lieber….“. „Das war nicht genug…“. "So wie beim letzten mal geht das nicht mehr."

 

Die Konsequenz ist der Verlust der Intuition. Es ist die Beeinträchtigung eines Austausches zwischen dem bewussten und spontanen Selbst. Und diese Diskrepanz mindert den Kontakt zur Gegenwart.

 

Dann werden Erinnerungen an Vergangenes diskutiert: „Weißt du noch damals“. „Auf der letzten Besprechung haben wir mehr Ergebnisse gehabt“. „Mir wäre lieber gewesen, wenn wir…“. Die Flucht in die Vergangenheit ist häufig auch mit der Suche nach einem Sündenbock verbunden; gerade dann, wenn Verantwortungen verschoben werden. Und Gründe lassen sich dafür bekanntlich immer finden.

 

Oder es werden Pläne und Wünsche für die Zukunft entwickelt: „Um die Vorgaben einzuhalten müssen wir mehr zusammenarbeiten.“ „Ich wünsche mir für den nächsten Workshop…“. „Es wäre schön, wenn wir beim nächsten mal…“. Wenn nicht zwischen Planen und Träumen unterschieden wird, ist dies einer Unterdrückung von Bedürfnissen gleich - die jedoch in einer vergangenen Gegenwart aktuell waren. Die dort zugedeckt worden waren.

 

Aus den Gedanken und Gefühlen, die beide Zeitrichtungen begleiten, können wir ablesen, wohin die eigene Energie geht:

 

Welche Bedürfnisse in der Gegenwart ignoriert worden sind. Vielleicht von anderen – doch vor allem von Ihnen selbst: Wussten Sie selbst von ihren Bedürfnissen? Woher sollte es der andere wissen?

 

Erinnerungen und Wünsche dienen daher nur einem wichtigen Ziel: Ihren eigentlichen Bedürfnissen auf die Spur zu kommen und somit in der Gegenwart zu leben. Mehr nicht. Und doch so viel.

Es ist der Weg zum Ziel. Zum Ziel dem Wichtigen, was sich im Moment - der Gegenwart einer Person - zeigen will, bewusst zu werden und dem nachgehen zu können. Und, ja: das ist ein langer und vielleicht der schwierigste Weg.

 

Denn sich darauf zu verlassen, dass andere Personen die eigenen Bedürfnisse be-achten, ist oft mit Enttäuschungen verbunden: "Der Kollege nimmt einfach keine Rücksicht auf mich!" Sich auf Dauer in Vergangenes oder in Wünsche zu flüchten, ist mit Frustrationen verbunden.

 

In der aktuellen Zeit leben bedeutet daher, das Erleben während eines Momentes, während eines Gespräches wahr- und anzunehmen.

Das, was im Moment passiert: welche Gedanken kommen, die nicht ausgesprochen werden, welche Gefühle dabei entstehen, die keinen Raum bekommen (können) und welche Worte gesagt werden könnten, die verschwiegen werden. 

 

Und das zu würdigen, was da ist – und erstmal nicht mehr - ist die Anerkennung des aktuellen Er-lebens.

 

In der Gegenwart zu leben ist daher das Schwierigste und das Wertvollste gleichzeitig. Also:

 

Wieviel Energie verwenden Sie für die Gegenwart?

 

Für die Konzentration auf einen Moment?

Für die Würdigung Ihres Gefühls: im Gespräch, für den Kontakt, in dem Sie sich gegenwärtig befinden?