Stellen Sie den Menschen in den Mittelpunkt?

… Das taten die Kannibalen auch ;)  - die hatten ein anderes Menschenbild als wir.

 

Es gibt eben verschiedene Menschenbilder, die alle "irgendwie“ den Menschen in den Mittelpunkt stellen.

Zum Beispiel eines, das den Mensch als ein „komplexes Wesen" sieht, das vielfältige Bedürfnisse hat, die sich situationsbezogen verändern können. Oder aber das soziologische Menschenbild, das annimmt, dass der Mensch als „Homo sociologicus“, durch seine sozialen Rolle und deren Verhaltensmaßgaben gesteuert ist. Oder tendiert Ihr Menschenbild eher dazu, dass der Mensch ein „Homo oeconomicus“ ist: auf ökonomische Zusammenhänge fokussiert und rational und nutzenmaximierend agierend?

 

Unser Menschenbild beeinflusst unser Verhalten zu den Menschen.

Es ist mit bestimmten Ansichten verbunden, die nicht beliebig kombinierbar sind. Und diese zeigen in jedem Gespräch eine Positionierung - besser ist es, wenn man diese selber kennt, da sie sowieso bemerkt wird.

Denn gerade in „stressigen“ Situationen, in denen die Kontrolle des Bewusstseins vermindert ist und „Vorgenommenes“ kaum umgesetzt werden kann, reagieren Menschen „intuitiv“, auf die eine oder andere individuelle „Art und Weise“.

 

Dies entspricht den Forschungen der Neurowissenschaften: je mehr Daten verarbeitet werden müssen, oder je weniger diese in den neuronalen Strukturen verankert sind, desto mehr entspringen Handlungsmuster dem Unbewussten, da die „Steuerungszentrale“ überfordert ist. Dieses „implizite Gedächtnis“ ist nicht dem Bewusstsein zugänglich, aber bestimmt das Verhalten einer Person: Wie wir zum anderen stehen, welche Haltung wir gegenüber einem Menschen einnehmen – dies zeigt sich früher oder später in der Gestaltung des Miteinander-Umgehens.

 

Das personzentriert-integrative Menschenbild ist ein humanistisches.

 

Es ist eine grundsätzliche innerliche Bejahung des Gegenübers. Dies schließt das Grenzen setzten, Anforderungen stellen, mit Widersprüchlichem konfrontieren (...) nicht aus. Doch es glaubt daran, dass jeder Mensch sich seinen Fähigkeiten und Ressourcen entsprechend entwickeln will und kann – wenn er die Möglichkeit dazu bekommt. Und will ihn nicht für einen Zweck optimieren.

 

Es ist ein Menschenbild, „das den Menschen als Person versteht und ihm daher – ihn anerkennend – begegnet, statt ihn – ihn zu erkennen suchend – zu objektivieren“ (Schmid 2000:6).

 

Das humanistische Menschenbild ist daher mehr als den „Menschen in den Mittelpunkt zu stellen“; denn das taten die Kannibalen auch.